Mittwoch, 10. März 2010
 
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Kusel, meine Stadt | Drucken |
Geschrieben von Manfred Richter   
Donnerstag, 3. Januar 2008

Kusel, meine Stadt.

Ich bin zwar gebürtiger Berliner, aber nach Kusel hat es mich zu meiner neuen Lebensgefährtin hingezogen.

  Kuseler Stadtwappen

Auf grünem Untergrund befindet sich ein goldener Krummstab, über den ein silberner Wellenbalken, scheinbar der Kuselbach, angeordnet ist. Der Krummstab soll das Remigiusland symbolisieren.

Kusel, 239 m über N.N. gelegen, hat 5188 Einwohner ( Stand 14.2.2008 ) und ist nicht weit von der Autobahn A 62, zwischen Pirmasens und Trier, im Nordpfälzer Bergland gelegen. Kusel blickt auf eine 1200-jährige Geschichte zurück und hat Stadtrechte seit etwa 1350.

Frühere Kuseler Stadttafel.

Seit 1965 ist Kusel Garnisonsstadt. Angesiedelt ist hier das heutige Panzerartellerielehrbataillon 345. Durch die rheinland-pfälzische Verwaltungsreform 1969, wurde Kusel Verwaltungssitz des Kreises Kusel. Eingemeindet wurden die Nachbardörfer Bledesbach und Diedelkopf.

Durch Funde urzeitlcher Gegenstände belegt, war die Gegend um Kusel bereits seit 2500 Jahren v. Chr. besiedelt. Die ersten bekannten Bewohner unserer Gegend waren die Kelten, die später von den Alemannen mehr und mehr zurückgedrängt wurden. Ab dem vorhergehenden Jahrhundert v. Chr. fielem die Römer hier ein und kolonisierten unser Gebiet bis etwa 400 Jahre nach Christus. Mit dem Vormarsch der Hunnen 375 in Mitteleuropa, eroberten die Alemannen das linksrheinische Gebiet von den Römern zurück. Bis zur Schlacht von Zülpich um 496, gehörte unsere Gegend zu Alamannien/Alemannien.

In der Schlacht der angreifenden Alemannen gegen die Franken, wurden diese entscheidend von den Truppen der Rheinfranken, unter der Leitung von Sigibert von Köln mit Unterstützung der Salfranken, unter Chlodewig I., entscheidend geschwächt. Chlodewig war es auch, der in einer weiteren Schlacht gegen die Alemannen, diese unterwarf und somit deren "Reichshoheit" beendete.

Der bis dahin heidnische Frankenkönig Chlodewig löste, nach seinem Sieg über die Alemannen, sein Versprechen ein, sich im Erfolgsfall taufen zu lassen und den christlichen Glauben anzunehmen. Maßgebend hierzu soll eine Frau gewesen sein - die Burgunderin Chlothilde.

Mit dem Übertritt Chlodewigs zum katholische Glauben in Reims, gehörte nun unsere Heimat ab 900 zum Erzbistum Reims, dessen Gründer Remigius war. Ihm zu Ehren wurde 902, auf dem heutigen Marktplatz, die Remigiuskirche zur ersten Mutterkirche vom Erzbischof zu Reims geweiht.

Ein Nachfahre des Königs Chlodewig, schenkte dem Benediktiner Kloster in Reims, einen Hof mit Land und den später genannten Remigiusberg. Die Kirche und Kloster auf diesem Berg bei Kusel, wurden Ende des 11.Jahrhunderts von Graf Folmar Luneville gestiftet. Aufgelöst wurde das Kloster während er Reformationszeit. Die von der Benediktiner-Probstei übriggebliebene Pfarrkirche St. Remigius ist mit der Ruine Michelsburg, heute ein beliebtes Ausflugsziel.

In den Jahren 657 bis 719 wurde das Frankenreich nach Machtkämpfen und Tod, von verschiedenen Machthabern, teilweise ohne Königstitel, regiert. Pippin der III., als Begründer des Kirchenstaates Vatikan in die Geschichte eingegangen, übertrug nach seinem Tod die Regentschaft auf seine Söhne Karl und Karlmann.

Nach dem Tode  seines Bruders Karlmann wurde Karl, später als Karl der Große bekannt, Alleinherrscher des Frankenlandes. Auf dem Höhepunkt seiner Macht, wurde Karl der Große im Dezember 800, in Rom zum Kaiser gekrönt. Aachen wurde zur Kaiserpfalz und zum Zentrum des Frankenreiches unter Karl dem Großen.

Erst durch die große Verwaltungsreform Karls des Großen um 793, fiel "Cosla", wie Kusel früher hieß, an den Nahegau im Frankenreich.

In den Verträgen von Mersen ( 870 ) und Ribemont (880 ) teilten die Urenkel Karls des Großen, das riesige Frankenreich in verschiedene Reichsteile auf. Diese wurden zu eigenständigen Staaten mit unterschiedlicher Entwicklung. Der westliche Teil des Frankenreiches übernahm den Namen Frankreich, während aus dem östlichen Teil des Frankenreiches das Heilige Römische Reich entstand.

Aus diesem Heiligen Römischen Reich entstand später Deutschland.

Dreimal zerstörten Brände die Stadt Kusel bis auf die Grundmauern. Während des 30-jährigen Krieges brannten Kroaten die Stadt nieder und töteten die gesamte Bevölkerung.

1677 brannten Truppen Ludwigs des XIV., im Zuge der Reunionskriege, die Statd zum zweitenmal nieder.

Die dritte Niederbrennung musste die Stadt am 26. Juli 1794 hinnehmen. Französische Truppen, unter Befehl des Generals Renauld, umstellten die Stadt. Auf Befehl des Volksrepräsentanten Henze, musste die Stadt als "Feindin der Republik und zugetane Freundin der Preussen", innerhalb einer Stunde geräumt werden. Danach wurde sie bis auf die Grundmauern niedergebrannt. Über 2000 Bürger verloren damals ihr Hab und Gut.

Grund der Niederbrennung war aber die angebliche Verbreitung von Falschgeld.

Immer wieder lag Kusel im Aufmarschgebiet der verschiedensten Heere. Nach dem Krieg von 1798 wurde das linksrheinische Gebiet französich. Kusel wurde der Sitz der Munzipalverwaltung.

Nach den Befreiungskriegen fiel Kusel, im Zuge der Wiener Verträge, an Bayern und wurde Sitz des Landeskommissariats im Rheinkreis.

Die Zeit des Aufschwungs hatte Kusel nun erreicht.

1822 wurden 2 Schulhäuser gebaut, 1824 eine Wasserleitung verlegt, 1829/30 die evangelische Kirche errichtet.

1844 erschien die erste Kuseler Zeitung " Der Pfälzer" und die "Kuseler Chronik" in dem Druckhaus, dass 1964 von der Familie Helmut Koch übernommen wurde. Elisabeth und Helmut Koch verlegten, druckten und vertrieben später die Zeitung "Kuseler Tageblatt". In ihrem Verlag und Druckhaus, wurde von Helmut Koch die Broschüre "Land und Leute" verfasst und gedruckt, aus der hier, mit freundlicher Genehmigung, Auszüge wiedergegeben werden.

Handel und Gewerbe erreichten eine nie gekannte Blütezeit. Das Handwerk der Wollweber und Tuchmacher entwickelte sich zum Großgewerbe. Zum besonderen Ruhm gelangte die Kunst der Hutmacher, deren Erzeugnisse bis weit über die Heimatgrenzen vertrieben wurden.

Heute erinnert auf dem Marktplatz der Hutmacherbrunnen an diesen Wirtschaftszweig mit seiner 400-jährigen Tradition. Die ehemalige Tuchfabrik ist heute, dank der EU-Fördermittel, zu einem mehrfachen Bürotrakt verschiedener Unternehmen, mit ca. 200 Mitarbeiter geworden.

Die ehemalige Tuchfabrik heute.

Die Eröffnungsseite der Kuseler H0-Modellbahner führt in ihrer obersten Zeile das Musikantenland In Rheinland-Pfalz an. Anfang des 19. Jahrhunderts herrschte große Not in der Westpfalz. Neben den Wollwebereien und Tuchfabriken gab es kaum weitere Industrie, um allen Berufs- und Verdienstmöglichkeiten zu bieten.

Und mit diesem großen Geldschein konnte man nicht mal eine Scheibe Brot kaufen.

  

In den Steinbrüchen der Umgebung schufteten die Menschen für ein geringes Entgeld.

Das Foto zeigt den Steinbruch bei Rammelsbach.

Die "Steinhauer" der Pflastersteine.

Zusätzlich brachte die Mechanisierung in den Webereien viele um ihre Arbeitsplätze. Tausende verließen das Land und suchten in der Fremde ihr Glück. Heute zeigt ein Auswanderermuseum  in Oberalben diese Völkerwanderung. Viele der Auswanderer spielten Musikinstrumente, die auch in der hiesigen Gegend gefertigt wurden.

So verdingten sich diese Wandermusikanten in Militär- und Zirkuskapellen und auch in Kur- und Symphonieorchestern. Einige von ihnen wurden berühmt und reich. So wurde dem Musikanten und Komponisten Kilian die Leitung einer Militärkapellmeisterschaft übertragen. Dem Musikanten Und Komponisten Drumm gelang es sogar mit "Hail of America" einen Marsch zu komponieren, der heute noch im Weißen Haus erklingt, wenn der Präsident der Vereinigten Staaten von America, Staatsgäste empfängt.

Diesen Wandermusikanten ist eine permanente Ausstellung in der Zehntscheune der Burg Lichtenberg bei Kusel gewidmet. Eine wirklich sehenswerte Ausstellung.

Die Stadt Kusel hat diesen Wandermusikanten mit dem Standbild der 3 Musikanten, auf dem großen Kreisel der B 420, eine besondere Ehre zuteil werden lassen. Die 3 Musikanten aus Bronzeguss des Künstlers Walter Schembs aus Worms, gesponsert vom Rotary-Club Kusel und der Stiftung Rheinland-Pfälzer Kulturgut, ruhen auf einem metallenem, quadratischen Sockel inmitten des Kreisels.

Die Burg Lichtenberg, in der Nähe von Kusel, gehört mit ihrer stattlichen Länge von 425 Meter, zu den größten und längsten Burgen Deutschlands. Die Ober- und Unterburg, ihre Zehntscheune mit kleiner Kirche, einer hervorragenden Gastronomie, der Jugendherberge und dem Geoskop mit seinen prähistorischen Funden, ist eine weitere Attraktion im Kuseler Land. Dieses Geoskop passt zwar architektonisch zum Rest der Burg, "wie die Faust aufs Auge", ist aber mit seinen Ausstellungsstücken sehenswert.

Die Burg Lichtenberg heute.

In Kusel findet man im Stadtmuseum eine reichhaltige Sammlung von Erinnerungsstücken, aus der wechselvollen Geschichte der Stadt und seinem Umland.

Eim besonderer Raum in diesem Museum ist Kusels größtem Sohn gewidmet : Fritz Wunderlich. Schriftstücke, Bilder und Musikaufnahmen, geben einen Überblik über das Leben und Schaffen des großen Künstlers.

Täglich hört man am Rathaus das Glockenspiel, dass  die von Fritz Wunderlich gedichtete und komponierte Melodie des Kuseler Liedes läutet :

........Ein Städtchen liegt im Pfälzerland, im Tal so wunderschön. Dort ist's, wo meine Wiege stand, wohin meine Träume geh'n..........

Das folgende Foto zeigt das Rathaus mit dem Glockenspiel über dem Eingang.

Die Gedenktafel am Geburtshaus von Fritz Wunderlich.

Foto: M. Richter

Das Geburtshaus von Fritz Wunderlich.

Foto: M. Richter

Unter www.youtube.com//watch?v=_4tWscOS330 kann man Fritz Wunderlichs Pfälzer Heimatlied von Kusel hören. Begleitet wird das Heimatlied von einem kurzen Film über Kusel.

Der vergessene Kuseler.

Am 26.11.2008 habe ich die Westricher Rundschau ( Rheinpfalz ) angeschrieben und der Redaktion mitgeteilt, dass die Stadt Kusel zwar ihren Bürgermeistern ein ehrendes Andenken bewahrt, aber ihren weltweit bekannten Sohn der Stadt nicht kennen will.  

Es gibt zwar einen Roebelweg und eine Roebelvilla, aber über seine bahnbrechende Erfindung in der Elektrotechnik, gibt es keine Hinweise im Museum, oder auf den Webseiten der Stadt.

Durch eine Recherche des Reinhard Schmidt in der Westricher Rundschau vom 05.01.2009, gehört die Roebelvilla einem früheren Bürgermeister der Stadt. Der Roebelweg wurde auch zu Ehren des Bürgermeisters und nicht dem bedeutenden Erfinder gewidmet.

Ehemalige Bürgermeister der Stadt Kusel haben offensichtlich bei den Stadtregenten ein beachtlicheres Ansehen als ein weltweit bekannter Kuseler Erfinder.

Mein Anschreiben an die Westricher Rundschau hat nun zu einem weiteren Beitrag geführt. Am 09.01.2009 veröffentlichte sie einen Beitrag des stellvertretenden Leiter des Institutes für pfälzische Geschichte und Volkskunde in Kaiserslautern. 

Herr Roland Paul führt an, dass der Vater des Erfinders, Wilhelm Franz Karl Roebel, früher Apotheker und später Bürgermeister in Kusel war. Sicher ist nun, dass der Roebelweg zu Ehren des Vaters benannt wurde. Auch gehöhrte das Anwesen Roebelvilla, dem Vater mit seiner Frau Susanna Roebel, geborene Stepp.

Herr Roland Paul empfiehlt nun, die Stadt solle unter dem Straßenschild "Roebelweg" ein Zusatzschild anbringen mit dem Text :

Zu Erinnerung an den Apotheker Wilhelm Franz Karl Roebel ( 1846 - 1923 ), Bürgermeister von Kusel von 1902 bis 1915, Vater von Diplom - Ingenieur Ludwig Roebel ( 1878 - 1934 ), Erfinder des Roebelstabes. 

Ob die Stadt Kusel nun verspätet, dem großen Erfinder die entsprechende Ehrung zukommen lässt, ist nicht bekannt.

Allerdings, ob ein Weg dieser Ehre gerecht wird, muss doch sehr bezweifelt werden wenn man bedenkt, dass man eine Straße zu Ehren eines Kuseler Arztes Dr. Albert Jung benannt hat.    

Mit seiner Erfindung, des weltweit bekannten "Roebelstabes", während seiner Tätigkeit bei BBC - Mannheim, wurde es erst möglich, Generatoren mit einer Erzeugerleistung größer 20 MW ( 20 Millionen Watt ) zu bauen. Mit dem Einsatz seiner Erfindung, konnte BBC Mannheim 1914 im Kraftwerk Elverdingen, die weltweit größte Turbogruppe mit 20.000 Kilowatt installieren. Heute werden mit seiner Erfindung Generatoren bis 1600 MW gebaut.

1912 erhielt BBC - Mannheim für seine Erfindung das Patent. Zur damaligen Zeit erhielten die Firmen die Patente für die Erfindungen ihrer Mitarbeiter. 1925 verlieh ihm BBC den Titel eines technischen Direktors. Alle Firmen, weltweit, die im Generatoren- und Motorenbau seine Erfindung nutzten, mussten an BBC Lizenzgebühren zahlen.    

1933 wurde dem Elektroingenieur von der Technische Hochschule der Freien Stadt Danzig, die Würde eines Doktor - Ingenieur ehrenhalber verliehen.

1934 starb in Ludwig Roebel in Königsfeld im Schwarzwald. Auch in dieser Stadt ist kein Hinweis zu diesem bedeutenden Erfinder zu finden. Einzig die Stadt Mannheim würdigt diesem Ingenieur eine ausführliche Personenbeschreibung - siehe hierzu den später angeführten Link.

Die Stadt Mannhheim zählt Ludwig Roebel mit Freiherr von Drais, Carl Benz und Julius Hatry zu den großen Mannheimer Erfindern, die mit ihren Entwicklungen international anerkannt sind und den technischen Fortschritt maßgeblich geprägt haben. In einem Buch mit dem Titel "Mannheimer Pioniere" wird auch seine bedeutsame Erfindung beschrieben.

Der Roebelweg in Kusel weist nicht - wie ich annahm - auf den großen Erfinder hin, sondern gilt einem früheren Bürgermeister.

Die Stadt Mannheim dagegen hat zwei Straßen, in Mannheim und Mannheim - Käfertal, nach ihm benannt

Foto: M. Richter

Die Touristikinformation der Stadt konnte mir erst nach einigen Telefonaten, den Standort der Roebel-Villa beschreiben. Den großen Erfinder kannte in diesem Büro keiner. Obwohl ich die anwesenden Mitarbeiter auf diesen Erfinder hingewiesen habe, wurde mir eine Villa angegeben, die aber einem früheren Bürgermeister und nicht dem Erfinder gehörte. 

Die vom Touristikbüro angegebene Villa, die man dem Erfinder zugeordnet hat.   

Foto: M. Richter

Ein weiterer vergessener Kuseler.

Paul Bauer, der auszog den 3.Pol zu erobern und Olympiasieger wurde.

Paul Bauer wurde am 29.12.1896 in Kusel geboren. Er war der Älteste von 4 Kinder einer angesehenen Tuchwarenfamilie. Zu seiner Verwandtschaft gehörten ein Artillerieoffizier, ein Landarzt und ein Professor, der Paul zu sich nach Neuburg holte als der Vater starb. Dort macht er sein Abitur und kehrt nach Kusel zurück, um sich bei Ausbruch des 1. Weltkrieges zum Miltär zu melden. Nach kurzer Militärausbildung wird er an die Front geschickt und kehrt 1915 verwundet zu seiner Familie nach Kusel zurück. Wieder Militärtauglich, wird er zum Führungsoffizier ausgebildet und muss wieder an die Front. 1919 kehrt er aus englischer Gefangenschaft nach Kusel zurück.

Kurze Zeit später zieht er nach München und beginnt ein Jurastudium, dass er mit Auszeichnung abschließt. Als Student wird er Mitglied in dem erlesenen Akademischen Alpenverein München, in dem er später zu einer unumstrittenen Führungspersönlichkeit wird. Nach seiner Tätigkeit in der Rechtsabteilung von BMW, ist er von 1924 bis 1934 in Nabburg als Notar tätig.

Er beginnt mit mehreren Bergsteigern Touren ins Alpenmassiv, den Pyrenäen und ins Pamirhochland. Obwohl er sich aus der Vereinstätigkeit zurückzieht, gilt er weiterhin als die graue Eminenz des AAVM. Mit seiner Schwester Maria, spätere Doktorin der Pädagogik und Geschichte, bereitet er 2 Jahre lang eine Kaukasus-Expedition vor, die er 1928 führt.

1929 stellt er ein Expeditionschor aus ihm genehmen Bergsteigern zusammen, das unter seiner Leitung den Kangchendzönga im Himalaya bezwingen soll. Er verlangt von den Teilnehmern, entsprechend seiner militärischen Ausbildung, unbedingten Gehorsam ihm gegenüber. Dank seines ungewöhnlichen Organisationstalentes, gelingt es es ihm in kurzer Zeit alle diplomatischen Genehmigungen zu bekommen. Er muss den Engländern garantieren, dass sie nicht den 3. höchsten Berg von Indien aus angehen, weil sie den Mt. Everest als ihren Berg ansehen. Der Expedition gelingt es den Kangchendzönga bis auf 7250 m zu erklimmen, bevor schlechtes Wetter sie zur Umkehr zwingt.

Sie werden danach in Indien und Deutschland als Helden gefeiert. Die Engländer würdigen seine Leistung und bieten Paul Bauer die Mitgliedschaft im erlesenen Himalayaclub an.

1931 erscheint sein erstes Buch "Im Kampf um den Himalaya - Der erste deutsche Angriff auf den Kangchendzönga 1929". Dieses Buch macht ihn bei den X. Olympischen Spielen in Los Angeles, in der Sparte Literatur, zum Olympiasieger. Sein Name steht heute noch auf der Ehrenstele früherer deutscher Olympiasieger am Berliner Olympiastadion.

Im gleichen Jahr versucht erneut eine Expedition unter der Leitung von Paul Bauer den Kangchendzönga zu bezwingen. Diesmal zwingt ein anhaltendes Unwetter auf der Höhe von 7450 m die Bergsteiger zur Aufgabe, sie müssen umkehren. 

Im dritten Reich wird Paul Bauer zum Spitzenfunktionär des deutschen Reichsbundes für Leibesübungen. Zuvor muss er Mitglied der NS-Partei werden. Von 1934 bis 1938 muss er den Deutschen Bergsteigerverband nationalsozialistisch ausrichten, weil die Machthaber die weltweit anerkannten Leistungen deutscher Bergsteiger für sich nutzen wollen.

Im Olympiajahr 1936 wird er zum Leiter der neuen Deutschen Himalaya Stiftung ernannt.

Unter der Leitung von Willy Merkl - dem Halbbruder von Dr. Herrligkoffer - versucht 1934 eine deutsch - österreichische Expedition den Nanga Parbat zu bezwingen. Der Versuch endet in einer unsäglichen Tragödie. Durch einen gewaltigen Schneesturm zur Umkehr gezwungen, sterben beim Abstieg zum Lager IV 5 Bergsteiger und 11 Sherpas.

Nach dieser Tragödie wird die Planung aller weiterer Expeditionen Paul Bauer übertragen.

Mit Dr. Carlo Wien soll 1937 ein weiteres Expeditionschor versuchen, den Nanga Parbat zu erstürmen. In 6180 m Höhe verhindert erneut ein Schneesturm den weiteren Anstieg. Man steigt ab und wartet im Lager 4 besseres Wetter ab. In der Nacht vom 14. zum 15. Juni begräbt eine gewaltige Lawine das Lager 4 mit den schlafenden Bergsteigern unter sich. Alle 7 Bergsteiger und 9 Sherpas verlieren ihr Leben.

Nachdem Paul Bauer von dieser erneuten Tragödie erfährt, organisiert er sofort eine Suchexpedition. Mit einer organisatorischen Meisterleistung und unter der Mithilfe der Engländer, gelingt es ihm nach nur 4 Wochen, mit zwei Bergsteigern das verschüttete Lager zu erreichen. Sie können bis auf 2 Expeditionsteilnehmer alle toten Kameraden bergen und bestatten.

Fortan trägt der Nanga Parbat den Namen "Schicksalsberg der Deutschen."  

1938 startet erneut, unter der Leitung von Paul Bauer, eine Expedition zum Nanga Parbat. Erstmalig in der Welt, wird eine Expedition von einer JU 52 aus der Luft versorgt. Material und Proviant werden mit Fallschirme abgeworfen. Die Bergsteiger in dem Flugzeug halten über Sprechfunk Kontakt zu Paul Bauer. Auf Höhe des "Mohrenkopfes," findet Paul Bauer mit seinen Kameraden den mit Schnee bedeckten toten Willy Merkl und seinen Sherpa Gay-Lay. Kurz vor dem "Silbersattel" in 7597 m Höhe , zwingen erneut starke Schneestürme Paul Bauer zum Abbruch des Gipfelssturms. Sie kehren um.

Nach der Rückkehr übergibt der nun 42jährige seine Ämter an seine Nachfolger. Ein Jahr später wird er erneut zum Militär eingezogen und übernimmt in Berchtesgaden als Major das 2. Hochgebirgsjäger- Battailon. Er muss es in den Kaukasus führen, den er bereits kennt. Er bekommt im Kaukasus Malariafieber und wird mit einer der letzten Lazarettflugzeuge in die Heimat geflogen.

Aus Gefangenschaft 1946 nach Kusel heimgekehrt, sieht er zum ersten Mal seine Tochter Elisabeth, die seine Frau Josefine 3 Jahre zuvor gebohren hat.

Er wird später in den Vorstand des Kameradenkreises der Gebirgstruppe gewählt, dem auch der spätere Ministerpräsident Edmund Stoiber angehört. Zu Ehren der gefallenen Gebirgsjäger aller Nationen, setzt sich Paul Bauer für eine Gedenkstätte am Hohen Brendten bei Mittenwald ein.

Obwohl viele Organisationen gegen die alljährliche Gedenkfeier an diesem Mahnmal protestieren, ehren viele Würdenträger aus der Politik, sowie hohe Offiziere der Bundeswehr und anderer Nationen, die gefallenen Gebirgsjäger.

Den deutschen Gebirgsjägern werden einige Verbrechen im 2. Weltkrieg in Griechenland, Italien und in Afghanistan nachgesagt. Paul Bauer konnte derartiges nicht vorgeworfen werden. Er wird wie seine Schwester Dr. Maria ohne Bedenken entnazifiziert. Maria Bauer, die als Krankenschwester im 1. Weltkrieg und später nach dem 2. Weltkrieg in der Kriegsgräberfürsorge geachtet wurde, stirbt 1989, ein Jahr früher als Paul und wird in Kusel bestattet. Ihr Grab mit ihrer 2001 verstorbene Schwester Theresia wird von Unbekannten mit Blumen versehen. Paul Bauer ist am 9.1.1990 in München verstorben. Über seine Kinder- er hatte auch einen Sohn - sowie seiner Frau, ist nichts überliefert.

1969 wird Paul Bauer im "Spiegel" als Pionier späterer Hochgebirgsexpeditionen gewürdigt und von Reinhold Messner für seinen Weitblick gepriesen. 

Zu Paul Bauer im Januar 2009 befragt, antwortet mir Reinhold Messner :

"Paul Bauer habe ich gut gekannt. Leider NS belastet. Bauer war im Alter zurückhaltend und kulant. Als junger AV-Funktionär ( Alpenverein ) intrigant und ein großer Nationalsozialist mit großdeutschen Visionen."

Durch meine geänderte E-Mail-Adresse werde ich vielfach, obwohl ich meinen Nachnamen immer angebe, ungewollt Herr Kusel genannt.

Hier meine E-Mail-Anfrage mit der Antwort des berühmten Bergsteigers, Reinhold Messner :

In den Kreisen der Bergsteigerelite um Reinhold Messner, wird Paul Bauer aber als Bergsteiger nach wie vor geachtet.

Auch zu Paul Bauer findet man in seiner Geburtsstadt, weder in den Websiten der Stadt oder des Kreises, noch in sonstiger Form, irgendeinen Hinweis.

Die lokale Presse auf ihn aufmerksam gemacht, würdigt ihn in keinster Weise. 

Die Fotos zeigen die beiden vergessenen Kuseler Persönlichkeiten.

         

Die Bahn nach Kusel.

Kusel ist Endhaltepunkt der Bahnstrecke Kusel - Landstuhl. Sie wurde im September 1868 eingeweiht und hat erheblich die Infrastruktur der ländlich geprägten Region verbessert. Sie wurde später zwischen Altenglan und Glan-Münchweiler, zum Bestandteil der "Strategischen Bahn" von Bad Münster am Stein nach Homburg.

Das Foto zeigt den Bahnhof in seiner "Blütezeit", als dort noch Bahnbeamte ihren Dienst versahen.

 Die ehemalige Gleisanlage des Bahnhofs Kusel zu Zeiten, als die Bahnstrecke bis nach Schwarzerden noch bestand..

Das preussische Kriegsministerium hatte von Preussen und Bayern, durch deren Länder die Bahnlinie führen sollte, eine schnelle Verbindung zu ihrer Festung Metz gefordert. Die bisherigen Truppentransporte führten über Ludwigshafen der Ludwigsbahn und waren der Militärführung nicht schnell genug.

Trotz der Rangeleien zwischend den beiden Ländern, konnte die Bahntrasse von Homburg - Glan-Münchweiler - Altenglan - Lauterecken - Staudernheim nach Bad Münster am Stein, in einer heute nicht mehr erreichbaren Fertigstellungszeit von 4 Jahren, in Dienst gestellt werden.

Diese "Strategische Bahn" wurde in 2 Weltkriegen von deutschen als auch von den späteren Besatzungstruppen Deutschlands genutzt.

Neben dieser "Strategischen Bahn" gab es noch einen weiteren "strategischen Streckenteil" von Altenglan über Kusel nach Trier und weiter in das benachbarte Ausland. Über diesen Streckenteil sollten die Miltärtransporte umgeleitet werden, falls die andere Strecke durch Bombardierung nicht befahren werden konnte. Der Personenverkehr brachte die Berg- und Hüttenleute der hiesigen Gegend, in die Kohlengruben und Stahlwerke des Saarlandes. 

Die Karte zeigt den weiteren Streckenverlauf über Kusel.

    

1964 wurde der Personenverkehr von Kusel nach Schwarzerden eingestellt. Die Arbeiter mussten nun Busse zu ihren Arbeitsstätten im Saarland nutzen.

1971 wurde mit dem Abbau der Bahnstrecke Kusel - Schwarzerden begonnen. Heute ist die ehemalige Bahntrasse der "Fritz -  Wunderlich - Wanderweg" im europäischen Wanderwegenetz. 

Die stillgelegte Bahntrasse der "Strategischen Bahn", von Staudernheim bis Altenglan - ca. 42 km -, wird nun von Draisinen befahren und ist eine weitbekannte touristische Attraktion.

Das folgende Foto zeigt mit Altenglan, eine der 3 Startstationen - Altenglan, Lauterecken, Meisenheim - dieser Draisinenstrecke. Nachmittags um 3 Uhr stehen nur noch 3 Draisinen vor dem Garagenbahnhof Altenglan. Startbahnhof war heute diese Station in Richtung Lauterecken bzw. Meisenheim. Morgen wird dann in umgekehrter Richtung gefahren,

Foto: M.Richter

Abfahrt mit Draisinen von der Leihstation Lauterecken.

Foto: M. Richter

Die Bahnstrecke Kusel nach Landstuhl und weiter nach Kaiserslautern, wurde von einem Konkurrenzunternehmen zur DB, für den Personenverkehr genutzt, währen die DB Güterzüge zu dem Steinbruch nach Rammelsbach rollen lässt.

Das Foto zeigt zwei VT 005 der "trans regio - Bahn" Rheinland-Pfalz, im neugestalteten Kuseler Bahnhof.

Foto: M. Richter

Ab dem 14.Dezember 2008 fahren auf der Strecke Kusel - Kaiserslautern wieder Züge der DB Regio. Durch eine neue Ausschreibung, war die DB Regio günstiger als die Privatbahn trans regio und erhielt somit den Zuschlag. Eingesetzt werden dreigliedrige Triebwagenzüge des Typ's Talent, des Herstellers Bombardier Transportation. Der dreigliedrige Zug der Baureihe 643, hat 2 dieselmechanische Antriebe mit insgesamt 630 KW. Zur Zeit werden die Züge ( 3 ), nach dem täglichen Fahrplanende, in Kusel stationiert. Das kleine Bw der trans regio in Altenglan, wurde von der DB nicht übernommen. Das Foto zeigt einen "Talent" Im Bahnhof Kusel.

 

Foto: M.Richter

Die Züge führen keinen Fahrscheinautomaten mit sich. Es wurden dadurch auf allen Haltestellen, entlang der Strecke, die üblichen Fahrscheinautomaten mit beigestelltem Entwerter der DB aufgestellt. Mit diesen Automaten dürften die bisher bekannten Probleme an den Automaten der trans regio nicht auftreten.

Das folgende Foto zeigt einen solchen Fahrscheinautomaten mit dem danebenstehenden Entwerter, im Bahnhof Kusel.

 

Foto: M.Richter  

Städtepartnerschaften bestehen mit der französischen Stadt Toucy und der ungarischen Stadt Zalaegerszeg. 

Persönlichkeiten der Stadt Kusel :

Hans Keller ( 1920 - 1992 ) Regierungspräsident von Rheinland - Pfalz. 1975 wurde er zum Präsidenten des Pfälzer Wald - Vereins gewählt. 1984 erhielt er den Verdienstorden Pfälzer Löwe.

Fritz Wunderlich ( 1930 - 1966 ), weltbekannter Tenor.

Paul Bauer (1896 - 1990 ), Notar. Berühmter Bergsteiger und Olympiasieger 1932.

Ludwig Roebel ( 1878 - 1934 ), Elektroingenieur und Erfinder des Roebelstabes, den er bei BBC Mannheim entwickelte und für den das Unternehmen1912 das Patent erhielt. Die bahnbrechende Erfindung dieser Wicklungsart in der Generatorenfertigung, brachte die entscheidende Verhinderung von problematischen Wirbelströmen, denen man bei den elektrischen Maschinen bis dahin nicht beikommen konnte.

Dr, rer. pol. Axel Weber ( 8.3.1957 ), Bundesbankpräsident seit dem 30. April 2004. Ehrendoktorwürde der Universität Duisburg - Essen.

Miroslav Klose ( 1978 ), Fußball-Nationalspieler, wohnte in Kusel und spielte in der A-Jugend und später in der Bezirksliga Westpfalz Fußball, bei der SG Blaubach-Diedelkopf 1949 e.V.

Margit Conrad ( 1952 ), Ministerin für Umwelt und Forsten in Rheinland-Pfalz.

Jochen Hartloff ( 1954 ), Ortsbürgermeister und Fraktionsvorsitzender der SPD im Rheinland-Pfälzischen Landtag.

Interessante Línks :

http://www.kusel.de

http://www.landkreis-kusel.de

http://www.kuselermusikantenland.de

http://www.fritz-wunderlich-ges.com/

http://www.mannheim.de/io2/browse/webseiten/wirtschaft/innovationen/roebel

http://www.rolf-froehling.de/kusel.htm ( Pfälzer Musikanten )

http://www.draisinentour.de

http://www.auswanderermuseum.de

http://www.touristinfo-pfalz.de

http://www.info-westpfalz.com

http://www.cusel.de/kusel/kusel.html

Kurzfassung: Manfred Richter

Mit freundlicher Unterstützung durch Helmut Koch, Kusel

Alle nichtgekennzeichneten Fotos wurden von Helmut Koch zur Verfügung gestellt.

Literatur :

"Leute und Landschaft"

Verfasser Helmut Koch

Verlag & Druckerei, Helmut Koch, Kusel

Zwei Bücher möchte ich empfehlen, die hervorragend die vergangene Zeitgeschichte beschreiben und mit zahllosen schönen alten Fotos die Westpfalz und den Kreis Kusel zeigen.

 

Dieses Buch ist am 5.11.2008 mit dem Titel, " Im Westrich, so bei Kusel hinne......" von den Autoren Helmut Koch und Dieter Zenglein, in einer Buchpräsentation in Kusel vorgestellt worden.

Erhältlich ist das Buch in allen Buchhandlungen in Kusel, in der Druckerei Koch und Mayer in Kusel, sowie in der Thalia Buchhandlung in Kaiserslautern. Preis des Buches 39,99 Euro.

Dieses Buch ist eigentlich ein "Muss ich haben", für alle Eisenbahnfreunde in Südwestdeutschland. Das Buch der beiden Autoren zeichnet eindrucksvoll die Eisenbahngeschichte der Westpfalz auf. Viele Zeichnungen, alte Fahrpläne und unzählige alte Fotos, runden die bewundernswürdige Beschreibung dieser Eisenbahngeschichte ab. 

Seit dem 3.1.2008 waren, mit Stand 08.03.2010, 8.413 Besucher auf dieser Seite.

       

    

     

  

      

  

    

Letzte Aktualisierung ( Dienstag, 9. März 2010 )
 
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