Vorläufer des ICE
Vorläufer der BR 120 und des ICE
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- Erstellt am Sonntag, 12. Dezember 2004 19:22
- Geschrieben von Manfred Richter
Vorläufer der BR 120 und des ICE.
von Manfred Richter
Schon in den 60iger Jahren zeigte sich, dass man mit der Entwicklung von diesel-elektrischen Lokomotiven die Grenze des Machbaren erreicht hatte.
Um Lokomotiven mit hoher Leistung und hohen Geschwindigkeiten bauen zu können, musste man den bisherigen Entwicklungsweg verlassen und völlig neue Wege gehen.
1965 vereinbarten Henschel in Kassel und BBC in Mannheim in Eigenregie, ein völlig neues Triebfahrzeug zu entwickeln, wobei Henschel den kompletten Mechanteil und BBC die komplette elektrische Ausrüstung der Lok planen und bauen sollte.
Das obige Foto zeigt die 3 gebauten Diesellokomotiven. Entsprechend ihrer Farbgebung wurden sie "Roter Ochse, Weißer Riese und Blauer Bock" genannt.
Den "Weißen Riesen" habe ich öfters im BBC - Werk Käfertal - Süd, neben dem Hochspannungsprüffeld gesehen. Diese Lokomotive wurde, wie man später sehen kann, für die weiteren Umbauten zur ersten Drehstromlokomotive herangezogen.
Diese Lokomotive sollte :
- Baukastenartig aufgebaut sein
- leicht sein
- universell einsetzbar sein
- eine hohe Leistung haben
- hohe Geschwindigkeiten fahren können
- eine möglichst kontaktfreie, elektrische und verschleißfreie Ausrüstung haben
- Fahrdraht unabhängig sein.
Es folgten viele Jahre intensiver Entwicklungsarbeit an beiden Standorten.1971 war es dann soweit. Im Henschel - Werk Kassel, wurde das fertige Produkt mit den Namen "Henschel – BBC - DE 2500" vorgestellt.
Diese dieselelektrische Lokomotive mit der ersten Drehstromleistungsübertragung in moderner Halbleitertechnik, ist die Ur - Lokomotive aller heutigen Drehstromlokomotiven und Triebwagenzüge, bis hin zum modernsten ICE 3.
Die Leistungsübertragung erfolgte durch einen zum V6 MAN -aufgeladenen Dieselmotor ( 2500 PS ) gekuppelten Drehstrom - Synchrongenerator, mit nachgeschaltetem Gleichrichter für die Gleichspannungszwischenkreisbildung und daran nachgeschalteten Pulswechselrichtern ( PWR ), die die Asynchron - Fahrmotore speisten.
Alle Hilfsaggregate hatten eigene Umrichter. Gesteuert und geregelt wurde die gesamte elektrische Loktechnik von einer Mikroprozessor - Steuerung , System Micas, von BBC.
Die eingesetzte E - Technik von BBC für die Antriebsmotore, war nahezu kontaktfrei.
Erklärung zur Energieerzeugung :
Der Generator liefert Drehstrom, der von nachgeschalteten Gleichrichtern in Gleichstrom ( Gleichspannungszwischenkreis ) umgeformt wird. Die Gleichspannung wird von den nachgeschalteten Puswechselrichtern ( PWR ) wieder in Drehstrom umgeformt. Die an den PWR angeschlossenen Drehstrom - Fahrmotore werden durch Spannungs- und Frequenzänderung in der Drehzahl und somit die Lokomotivgeschwindigkeit verändert bzw. geregelt.
Im Gegensatz zu den bisherigen schweren Wechselstrom - Fahrmotoren mit ihren wartungsintensiven Kollektoren und Bürsten sowie schweren Wendepolen, brachten die Drehstrom - Antriebsmotore eine erhebliche Gewichts- und Wartungseinsparung.
Der fast quadratische selbsttragende Fahrzeugkasten stützte sich auf je 4 Schraubenfedern und 2 Stoßdämpfer pro Drehgestell ab. Beide Drehgestelle - drehzapfenlos - sind mit je einer gummigelagerten Lenker - Zug - bzw. Druckstange zur Fahrzeugkastenmitte hin verbunden ( Ein Drehgestell zieht, während das andere Drehgestell drückt ). Die Antriebsräder haben keine Backen- sondern je Achsantrieb 3 innenbelüftete Scheibenbremsen.
Diese Lok erhielt von der DB die Baureihenbezeichnung 202 002. Mit ihr wurden zahlreiche Mess- und Testfahrten unternommen. Des öfteren konnte man sie vor Regel-Reisezügen sehen.
1974 wurde die Lok einem größeren Umbau unterzogen. Der Dieselmotor, Generator, Gleichrichter und die Kühlanlage wurde ausgebaut und durch ein Ballastgewicht ersetzt. Der Lokomotive wurde ein Steuerwagen mit Dachstromabnehmer angehängt. Im Steuerwagen wurde die Hochspannungschalteinrichtung, der Leistungstransformator, die PWR und die Hilfsbetriebe sowie die Leit- und Steuerungstechnik installiert. Zwischen Lok und Steuerwagen wurden die Leistungskabel und Steuerkabel als "Nabelschnur" verlegt. Zusätzlich erhielt der Steuerwagen ein Messabteil.
Die Lok konnte sowohl von dem Steuerwagen als auch von einem Lokführerstand gesteuert werden.
Somit war aus der ursprünglichen dieselelektrischen Lokomotive eine Elektro- Lokomotive geworden. Die Energieversorgung erfolgte nun von dem Stromabnehmer über den Trafo des Steuerwagens, zu den PWR und weiter zu den Antriebsmotoren im Triebfahrzeug.
Aufgrund der von BBC entwickelten Vierquadrantensteller ( 4-QS ) war es möglich, Drehstrommotore in der Drehzahl zu regeln.
Mit dieser Technik war diese zur Elektrolok mutierten dieselelektrischen Lokomotive, weltweit die erste Lokomotive die mechanische Energie ( Bremsenergie ) in elektrische Energie umformen und in die Oberleitung einspeisen konnte.
Ich war damals Inbetriebnehmer in der Automationsgruppe für große Schiffsantriebe ( von 12.500 bis 84.000 PS ), im gleichen Geschäftsbereich Verkehr von BBC, wo diese Lok geplant, die E-Technik gebaut und getestet wurde. Dieses seltsame Gespann stand öfters für Test- und Messzwecke unweit unseres Labors. Ich hatte dadurch des öfteren die Möglichkeit mir dieses "Gespann" zu betrachten.
Das folgende Foto zeigt dieses Gespann einer Lokomotive, dass aus einer Lok und einem Personenwagen bestand.
Auch dieses Gespann konnte man bei verschiedenen Testfahrten vor Personen- und Güterzügen sehen. 1977 wurde diese Lok nochmals umgebaut und trug nun einen Dachstromabnehmer. Sie fuhr dann als Versuchselektrolokomotive mit der Bezeichnung 1600 P, bei der Niederländischen Staatsbahn. Gesteuert wurde Lok von Bundesbahn Lokführern mit Unterstützung von holländischen "Lotsen."